Echter Mehltau im Getreide – Schadbild und Bekämpfung

Der Echte Mehltau ist ein hoch wirtsspezialisierter Pilz. Es existieren rund 770 Unterarten, die  7.000 verschiedene Pflanzen befallen können. Wirtschaftlichen Schaden verursacht vor allem Blumeria graminis – der Echte Getreidemehltau (ehemals Erysiphe graminis).

Er tritt an Weizen, Triticale, Gerste, Roggen und Hafer auf, wobei jede Getreideart von ihrer eigenen „formae speciales“ parasitiert wird. Je nach Krankheitsverlauf, kann ein Befall mit Mehltau Ertragsverluste bis zu 25 Prozent nach sich ziehen.

Mehltau im Weizen (Quelle: mühlhausen/landpixel)

Lebensweise der Mehltaupilze

Die Echten Mehltaupilze sind obligate Parasiten, die für ihre Entwicklung und Ernährung auf lebendes Pflanzengewebe angewiesen sind. In den meisten Fällen leben sie ektoparasitisch auf den Wirtspflanzen. Mit Abreife des Getreides reproduzieren die Mehltau-Erreger geschlossene Fruchtkörper (Kleistothezien) mit Asci. In dieser Form überstehen sie den Rest des Sommers ohne die abgeerntete Wirtspflanzen.

Im Herbst platzen die meisten der Kleisthothezien auf und verbreiten Ascosporen, die das gerade aufgelaufene Wintergetreide infizieren. Die kalte Jahreszeit überwintern sie auf den Blättern als Myzel – die nicht aufgeplatzten Fruchtkörper an Pflanzenresten. Im Frühjahr bildet das Myzel eine Vielzahl an asexuellen Konidien, die gut flugfähig sind und sich im Gegensatz zu den Ascosporen epidemisch ausbreiten können.

Die idealen Bedingungen für die Ausbreitung von Mehltau

Auch wenn die Sporen ein sehr breites Temperaturspektrum tolerieren und schon bei einem Grad und noch bei dreißig Grad keimen können, liegen die optimalen Temperaturen für ihre Vermehrung bei achtzehn bis zwanzig Grad.

Dazu benötigt der Parasit eine hohe Luftfeuchtigkeit bei wenig  Sonneneinstrahlung und Luftbewegung. Regen hingegen ist für seine Entwicklung ungünstig – das Blatt darf keinen nassen Film aufweisen, da Wasser die Keimung verhindert.

Wie infiziert der Erreger die Pflanze?

Die Sporen landen auf den lebenden Pflanzen und keimen. Sie bilden Infektionshyphen, die die Kurtikula durchstoßen und die Epidermiszellwand penetrieren. Im Inneren der Epidermiszellen angelangt, entwickeln sie fingerartig gelappte Saugorgane (Haustorien) aus, die die Zellmembranen einstülpen, ohne jedoch die Zellen zunächst dabei abzutöten (biotropher Pflanzenparasit). Auf der Blattoberfläche wächst das Pilzgeflecht weiter und dringt immer wieder in die Epidermiszellen ein. Dabei bildet es fortlaufend Konidien, die sich unmittelbar in der Umgebung verteilen – bei für den Pilz günstigen Witterungsverhältnissen in explosionsartiger Geschwindigkeit.

Pilzlicher Belag mit sichtbaren Kleistothezien
(Quelle: oldenburg/agrar-press)

Sichtbare Symptome durch einen Mehltaubefall

Blumeria graminis tritici, also der Echte Mehltau im Weizen, ist in der Regel nicht besonders schwer zu identifizieren. Häufig zeigt er sich als Erstes in Schattenlagen und an jüngeren Blättern. Der Pilz tritt dabei auf der Oberseite der Blätter und an Blattscheiden zutage – später auch an den Ähren. Zu Beginn erscheinen weiße, etwa zwei bis drei Millimeter kleine Pusteln, die sich nach einiger Zeit zu großflächigen, watteartigen Belägen entwickeln. Später werden auch die Kleistothezien als schwarze, winzige Kugeln innerhalb des bis dahin bräunlich verfärbten Belages deutlich.

Bei Gerste ist das anders: Gerstenpflanzen besitzen häufig eine höhere Resistenz gegenüber dem Pilz, sodass Beläge häufig kaum bis gar nicht sichtbar werden. Stattdessen treten dunkelbraune Flecken auf, die scharf eingegrenzt sind und die Ausbreitung des Erregers mehr oder weniger verhindern. Diese Abwehrnekrosen können leicht mit anderen Krankheiten, wie z. B. Netzflecken oder Braunflecken verwechselt werden.

Mit fortschreitender Infektion werden aber bei allen Getreidearten die Blätter braun und trocknen ein.

Welche Schäden ruft Blumeria graminis hervor?

Da der Pilz das aktive Assimilationsgewebe angreift, kann die befallene Pflanze nur noch schwer ihren Stoff- und Energiewechsel aufrecht erhalten. Mehltau regt zudem die Zytokinin-Bildung der Pflanze an. Dadurch kann die Pflanze zwar die Assimilation länger aufrecht halten, sodass Teile der vergilbenden Blätter grün bleiben, allerdings nutzt der Pilz diese sogenannten grünen Inseln für sein Überleben und zieht aus dem befallsfreien Gewebe weiter seine benötigten Nährstoffe.

Ein Befall in frühen Wachstumsstadien wirkt sich nachteilig auf die Bestockung und auf die Kornanzahl aus. Werden die Pflanzen erst später infiziert, vermindert sich vor allem das Tausendkorngewicht, teilweise entstehen Schmacht- oder Kümmerkörner.

Ein späterer Befall der oberen Blätter und der Ähren wirkt sich häufig am stärksten aus: bis zu 25 Prozent Ertragsverlust sind dann möglich.

Bekämpfung und Vorbeugung des Echten Mehltaus

Das gute Einarbeiten der Ernterückstände ist, wie bei so vielen anderen Krankheiten auch, ein essentieller Punkt in der vorbeugenden Bekämpfung des Mehltaus. Auch sollte rechtzeitig verhindert werden, dass das Ausfallgetreide aufläuft. Je weniger Überlebensgrundlage das Pathogen vorfindet, desto besser sind die Chancen für eine ungestörte Bestandesentwicklung.

Eine weitere Maßnahme stellt die Sortenwahl dar. Zum Einen können resistente Sorten ausgewählt werden, zum Anderen ist das Mixen von Sorten, die unterschiedliche Resistenzgene in sich tragen, eine bewährte Möglichkeit.

Echter Mehltau wird gefördert durch hohe Stickstoff-Gehalte. Eine zurückhaltende Düngung ist daher von Vorteil. Auch eine frühe Herbstsaat, sowie eine hohe Saatstärke begünstigen einen Befall. Daher gilt: im Herbst eher spät säen, dabei die Körner nicht zu eng ablegen.

Regelmäßige Bestandskontrollen können im Weizen in den Wachstumsstadien 32 bis 61, an Gerste, Triticale und Roggen in BBCH 32 bis 51 durchgeführt werden. In diesen Zeiträumen ist eine direkte Bekämpfung mittels Fungiziden nach dem Prinzip der Befallshäufigkeit möglich: sind von zwanzig Pflanzen zwölf befallen, gilt die Schadschwelle als überschritten.

Wie kann GRAINGUARD bei der Bekämpfung unterstützen?

Die Saatgutbehandlung GRAINGUARD fördert grundsätzlich eine gesunde und stabile Entwicklung von Pflanzen. Durch das ausgeprägte Wurzelwachstum, das die Pflanzen durch die Saatgutbehandlung erreichen und der damit einhergehenden besseren Bodenerschließung erhält das Getreide eine hervorragende Wasser- und Nährstoffversorgung. Dank dieser optimierten Ernährung sind die Pflanzen besonders vital und können dem Druck schwieriger Einflussfaktoren länger standhalten. Da die in der Saatgutbehandlung enthaltenen Biostimulanzien außerdem die Abwehrkräfte anregen, können die so behandelten Pflanzen generell schneller auf einen Krankheitsbefall reagieren.

In Bezug auf Mehltau ist besonders die hohe Vitalität von Bedeutung: die Pflanzen benötigen viel Kraft für die Bildung der Abwehrnekrosen – gleichzeitig müssen sie viel Energie aufbringen, um die Korneinlagerung zu bewältigen. Mit GRAINGUARD steigen die Chancen immens, dass die Pflanzen, trotz des hohen Energieverbrauchs für die Krankheitsabwehr, noch ausreichend Reserven für ihre weitere Entwicklung übrig haben. Da die Saatgutbehandlung außerdem einen verbesserten Feldaufgang fördert, kann auch die reduzierte Aussaatstärke, die bei Mehltau explizit empfohlen wird, leichter toleriert werden: Der Mehrertrag von rund vier Prozent, der durch die mit GRAINGUARD gebeizten Pflanzen in der Regel eingefahren wird, macht es möglich, die Reduzierung mindestens anteilig auszugleichen.

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